Neuanstrich der eh. Bergwerksdirektion in Saarbrücken

Resolution zum Neuanstrich der Aussenfassaden der ehemaligen Bergwerksdirektion,
jetzt Bestandteil der 
Europa Galerie

 

eh. Bergwerksdirektion im Jahr 2004Am 22. März 2013 erschien in der Saarbrücker Zeitung ein Artikel( siehe unten), in dem angekündigt wird, dass die Fassaden der ehemaligen Bergwerksdirektion, jetzt Teil des ECE-Einkaufszentrums „Europa Galerie", neu gestrichen werden sollen. Die Leitung des Zentrums teilt mit, dass diese Fassaden inzwischen soweit ausgetrocknet seien, dass ein dauerhafter Neuanstrich möglich ist.

 

Zur Erinnerung: Während des 2010 vollendeten Umbaus der im Jahr 1880 eröffneten Bergwerksdirektion von dem renommierten Architekten der Berliner Schinkelschule, Martin Gropius, standen die Sandsteinfassaden über einen längeren Zeitraum ungeschützt, da man die Dächer des Gebäudes entfernt und das Innere zum großen Teil entkernt hatte. Dadurch konnte Regenwasser in die Mauerkronen eindringen. Dies zeigte sich zunehmend an den hässlichen Flecken, welche die Fassaden inzwischen verunstalten. Dem will der Betreiber nun mit einem Neuanstrich abhelfen.

Der Saarländische Verein für Denkmalschutz nimmt dazu wie folgt Stellung: Die ehemalige Bergwerksdirektion entstand im so genannten Rundbogenstil, der im 19. Jahrhundert zu den progressiven Richtungen zählte, die sich von der üblichen Nachahmung einzelner historischer Stile zu lösen versuchte. Damit verbunden war ein neues Ethos des Bauens, das nach Materialgerechtigkeit und konstruktiver Wahrheit strebte. So verwarf man die im Klassizismus übliche Materialfiktion, die Marmor vorgab, wo häufig nur Backstein, Stuck und Putz vorhanden waren.

Auch der bis dahin übliche farbige oder weiße Anstrich des Äußeren wurde verworfen. Es sollte alleine die Farbe des Baumaterials sprechen. Dabei kombinierte man unterschiedliche Materialien wie Ziegel- und Naturstein. Hier spielten die vor Ort vorhandenen natürlichen Materialien eine wichtige Rolle. Bei dem Saarbrücker Gebäude verwendete man für die Außenfassaden beispielsweise den regionaltypischen Sandstein.

Die Zeitschrift für Bauwesen bemerkt dazu in einem 1882 erschienen Artikel, der das neue Gebäude präsentierte, folgendes: „... Auch diese letztgenannten Wappen wurden von dem Bildhauer Menges in Kaiserslauterner Material hergestellt. Aus demselben Sandstein bestehen auch sämmtliche (sic) architektonischen Gliederungen der Fassade, ... Dieses Material eignet sich wegen seiner gleichmäßig hellrothen Färbung außerordentlich für dergleichen Architekturteile und hebt dieselben gegenüber dem gelblichweißen Material der Flächen, welche aus dem einheimischen Sandstein ... bestehen." (Jg. XXXII, 1882, Heft X-XII, S. 38-42.)

Die Fassaden der Bergwerksdirektion präsentierten sich also ursprünglich bichrom in den Steinfarben Rot und Gelbweiss. Es gab keine durch einen Anstrich hergestellte Farbfassung. Dies ist bemerkenswert, da man bis dahin im Allgemeinen die Aussenfassaden von Gebäuden farbig fasste. Dies galt zum Beispiel auch für die Stengelfassaden von Ludwigskirche und Basilika St. Johann. Der Autor des Artikels der Bauzeitung rühmt die schöne farbige Einheitlichkeit des Steinmaterials der Bergwerksdirektion. Im Gegensatz dazu präsentieren sich heute die genannten ungefassten Stengelfassaden in unregelmäßigem und unruhigem Farbwechsel, der die Lesbarkeit dieser Architektur beeinträchtigt und nicht den Intentionen des Architekten entspricht.

Die ursprüngliche Steinfarbigkeit der Bergwerksdirektion war allerdings bereits vor ihrem Umbau von 2010 nicht mehr vorhanden. Infolge eines Bombenschadens an der Fassade in der Trierer Straße hatte man dem Gebäude anlässlich seines Nachkriegswiederaufbaus bereits eine Farbfassung gegeben, die sich allerdings an der Natursteinfarbigkeit orientierte. Natürlich erfolgte schon die Schließung dieses Bombenschadens nicht mehr im ursprünglichen Baumaterial und in der aufwendigen originalen Hausteintechnik.

Es ist also unser dringendes Anliegen, dass bei der anstehenden farbigen Neufassung der Aussenfassaden der jetzigen Europagalerie auf die Geschichte des Gebäudes Rücksicht genommen wird. Ein Neuanstrich sollte sich so weit wie möglich an der ursprünglichen Steinfarbigkeit orientieren, wie dies bereits beim Nachkriegswiederaufbau geschah. Jede willkürliche Neuerung in der farbigen Aussenerscheinung würde einen weiteren Substanz- und Charakterverlust an einem der Glanzstücke Saarbrücker Architektur des 19. Jahrhunderts bedeuten.

Für den Vorstand des Saarländischen Vereins für Denkmalschutz e.V.

Saarbrücken, 16.04.2013

Bericht aus der SZ vom 22.03.2013